Way North

Way North
Icefield Parkway

Sonntag, 10. Juli 2016

KW 26/16 - Alaska, Kanada West

Alaska Marine Highway (Kanada)
Heute fahren wir die Inside Passage von Juneau via Petersburg bis nach Ketschikan. Soweit südlich wird es in der Nacht wieder dunkel. Wir machen es uns deshalb in einem ausgelatschten Stuhl so bequem wie möglich und versuchen ein wenig zu schlafen, was uns mehr schlecht wie recht gelingt. Ich bin froh, als es endlich heller wird, habe unendlich viele Entfaltungsmöglichkeiten, geniesse die Seeluft, den Sonnenaufgang und mache Fotos. Nebelbänke, Wolkenbilder und die Beleuchtung wechseln ständig.














Es ist ein faszinierendes Schauspiel. Dazwischen plantscht immer mal wieder ein Buckelwal mit der Schwanz- oder Brustflosse und auf dem Schiff ist es immer noch ruhig.

Die Innerpassage ist eigentlich für schlechtes Wetter bekannt und so geniessen wir die Sonne auf den offenen Wasserflächen und eine Märchenlandschaft aus Nebel, wenn wir die engen Passagen durchschiffen. Den Regenbogen kennen wir schon aber hier sehen wir das erste Mal einen «Nebelbogen» - nicht schlecht, oder?

Als ersten Hafen laufen wir Petersburg an, Fahrzeuge werden aus und neue eingeladen. Das Deckmanagement funktioniert
einwandfrei. Nach einer kurzen Pause geht es weiter. Wir schlängeln uns durch eine sehr enge Fahrrinne, die der Mannschaft einiges abverlangt und die ständig einen Ausguck ab Bug erfordert. Einmal wird im Nebel ein Fischkutter, der uns zu nahe kommt, weggehornt. Nach dieser Aktion ist auch der letzte Tiefschläfer an Bord wach. Klare Sicht
und Nebelbänke wechseln sich ständig ab und machen damit das Navigieren nicht einfach. Delfine sind im Kanal am Fischen und tauchen immer mal kurz neben dem Schiff auf. Bei schönstem Wetter geht es dann weiter über Wrangell, Richtung Ketschikan.
Auch hier wieder derselbe routinierte Ablauf. Wir haben zwei Stunden Aufenthalt, gehen kurz an Land etwas Essen, einen «Schlumi» trinken und dann geht es ab in unsere Kabine. Wir haben schon zu Beginn der Reise eine Kabine gebucht, sodass wir früh morgens, ausgeschlafen auf die Piste können. Dies ist unsere erste Nacht auf einem Schiff mit fensterloser Kabine und stickiger Luft. Es ist sehr heiss, mal sehen ob wir überhaupt schlafen können.


Alaska Marine Highway – Prince Rupert (Kanada)
Offensichtlich waren wir genug müde, sind gleich eingeschlafen und haben voll durchgepennt – herrlich! Zum Duschen reicht es nicht mehr, wir haben die Zeitzone passiert und eine Stunde haben sie uns auch noch geklaut. Prince Rupert unsere Enddestination ist dreissig Minuten voraus, also heisst es packen, Fahrzeug fassen und nach dem der Kan festgemacht hat, ausschiffen.
Das Wetter spielt mit, und so fahren wir in die Stadt, parkieren neben dem Walmart und machen Frühstück. Die Stadt schläft noch.
Geld abheben, Tanken und sich im Visitor Center informieren sind die nächsten Aktivitäten an diesem Morgen. Hier treffen wir wieder auf einen Velofahrer, den wir schon in Juneau gesehen haben. Wir tauschen ein paar Informationen und Erfahrungen aus und gehen dann getrennte Wege. Er fährt zurück zum Campground und wir machen einen Abstecher zu den «Butze Rapids» um einen fünf Kilometer langen Rundtrip durch den «Regenwald» und zu den Stromschnellen zu machen. Auf Grund von Ebbe und Flut, wechseln die Stromschnellen die Fliessrichtung - spannend. Wenn wir Glück haben können wir dies sehen. Ich habe mal die Tiedentabelle besorgt. Es gibt vier Hochtieden pro Tag, 1.9m – 5.6m. Um 14.25 Uhr ist die kleinste Hochtiede mit 1.9 m angesagt, auf die haben wir es abgesehen, mal sehen ob es reicht. Die höchsten sind jeweils früh Morgens’s und spät Abend’s, aber die passen nicht ins Programm.
Gleich zu Beginn des Weges, zeigt uns ein Einheimischer der seinen Hund spazieren führt, die essbaren «Salmonberry». Auch Blueberry’s und Huckelberry’s wachsen hier und sind überall im Wald zu finden – lecker!
Wir spazieren durch einen Märchenwald, sattes Grün, viele Moose, alle möglichen Farne, Flechten, kleine Bäche und Bäume in allen möglichen Formen. Es wird auch auf die Wölfe, die hier zu Hause sind hingewiesen. So spazieren wir durch den Wald und sind gefasst, dass jeden Moment, Rotkäppchen, ein Wolf oder sonst eine Elfe um die nächste Ecke kurven. Solltet ihr sie auf den Fotos sehen, nicht wundern – geniessen!













Leider hat die kleinste Hochtiede nicht gereicht, die Flussrichtung zu ändern, aber schön war’s allemal. Nun fahren auch wir zum Campground zurück und hoffen noch einen Platz zu finden. Glück gehabt, am Vortag noch voll ausgebucht, sind heute noch Plätze zu haben. Wir richten uns ein und ich setze gerade Spaghetti auf, da treffen wir wieder auf unseren Radler. Spontan laden wir ihn zum Nachtessen ein, was er dankend annimmt. Nun muss ich das Essen strecken, ab sofort gibt es einen Spaghetti-Linguini-Mix an einer Mexikanischen Tomatensauce (noch nie ausprobiert), gestreckt mit dem Rest der italienischen Bollognaise.
Während es köchelt, haben drei nette Mädels, Susanne, Franziska und Maria aus der Schweiz den Mut und sprechen uns an. Es wird eine kurze und lustige Runde und offenbar ist die Frau eines ehemaligen Feuerwehrkollegen sogar die Gotte eines der Mädels – ist die Schweiz doch klein.
Unser Radler ist inzwischen auch eingetroffen und stellt sich mit Harry vor. Nun noch ein paar Fotos und dann Nachtessen, bevor alles verkocht.
 Die Mexikanische Tomatensauce ist höllisch scharf und da Harry radelt, habe ich ihm eine ordentliche Portion geschöpft, er meint er esse gerne scharf – ich hoffe es. Erika ist froh nicht zu viel abbekommen zu haben und für mich ist es gerade richtig. Ich glaube das nächste Mal koche ich was wir schon kennen.

Prince Ruppert – Old Hazelton (Kanada)
Bei Port Edward besuchen wir die älteste «Salmon Cannery» von Alaska. Hier wurden die fangfrischen Lachse verarbeitet und in Büchsen abgepackt. Es ist schockierend, unter welchen Arbeits- und Lebensbedingungen die damaligen Fabrikarbeiter gelebt haben. First Nations und Chinesen verrichteten die dreckigsten und niedrigsten Arbeiten.
Eine gute Arbeiterin (First Nation, Chinesin) hat in einer Minute, zwanzig Büchsen abgefüllt. Sie haben Fische ausgenommen oder geputzt.
Die Japaner waren damals gute Bootsbauer und die Europäer haben die Fabrik geleitet. Die Führung wurde durch eine First Nation, die als Kind hier aufgewachsen ist und deren Mutter hier gearbeitet hat, gemacht – sehr eindrücklich. Man muss dies gesehen haben, der Blog reicht dazu nicht aus.
Und weiter geht es auf demYellowhead Highway Richtung Prince George. Offensichtlich ist dieses Gebiet für die weissen Schwarzbären, die die First Nation als «Spirit Bear» bezeichnen, bekannt. Leider haben wir nur einen einsamen Schwarzbären am Strassenrand getroffen. Der hat uns kurz zugewunken und ist dann schnell in die Büsche verschwunden. In New Hazelton passieren wir die Hagwilget Brücke. Eine einspurige Hängebrücke über eine siebzig Meter tiefe Schlucht – herrliche Aussicht, leider nicht für Alle. Erika weigert sich Fotos aus dem fahrenden Auto zu schiessen. Anschliessend treffen wir in Old Hazelton ein. Nach einer Stadtrundfahrt parkieren wir auf den «Ksan Campground», direkt neben dem First Nation Dorf, das als Museum aufgebaut ist. Hier erleben wir das erste Mal, dass «First Nations» mit den Zugewanderten zusammen- und nicht strickte getrennt leben. Sie verwalten den Campground, das Museum und sind Teil der lokalen Gesellschaft.
Auf dem Campground ist auch eine ganze Zeltstadt Studenten zu gegen. Während der Sommermonate pflanzen sie Setzlinge in den gerodeten Waldflächen. Helfen damit bei der Wiederaufforstung und bessern mit dem Geld, dass sie pro gepflanztem Setzling bekommen, ihr Sackgeld auf.

Am anderen Morgen besuchen wir das alte Indianerdorf (Museum) und wollen etwas über die «First Nation» dieser Gegend erfahren. Es ist das erste Mal, dass wir die Geschichte von den betroffenen selbst vermittelt bekommen. In diesem Dorf leben vier Clans der Ksan. Sie nennen sich Frosch, Wolf, Eagle und Fireweed. Jeder Clan wohnte früher in seinem eigenen Langhaus, in dem 40-60 Personen (Männer, Frauen, Kinder, Alte und Junge), Platz gefunden haben.
Das Haus war viereckig und entlang der Wände verlief eine erhöhte Holzplattform, ca. zwei Meter tief. Hier wurde geschlafen und gelebt. Die einzelnen Familien des Clans waren seitlich nur durch Ihre Vorratskisten getrennt ansonsten war der Raum offen, das heisst es gab wenig bis keine Intimsphäre innerhalb des Hauses. In der Mitte des Hauses war ein Kiesplatz und eine Feuerstelle mit einem riesigen, geschnitzten Pot (Wolf, Frosch, etc.) aus dem zu besonderen Anlässen alle gegessen haben. Innerhalb der Sippe heiraten war und ist auch heute noch verboten. Im Sommer hat man gejagt, Vorräte für den Winter gesammelt, die Häuser ausgebessert und Handel betrieben. Es wurden zum Beispiel sehr oelhaltige Fische von den Stämmen am Meer geholt oder später hat man Stoffe von den Einwanderern im Tauschhandel erworben.
Im Winter hat man in den Hütten getanzt, gesungen, sich Geschichten erzählt oder die gesammelten Waren verarbeitet. Heute pflegen sie wieder die alten Traditionen wie Tanz, Gesang und das Herstellen traditioneller Gebrauchsgegenstände. Sie versuchen auch ihre Sprache zu retten aber das Wissensgefälle von Alt zu Jung ist enorm. Es erinnert ein wenig an unsere Romanisch sprechende Schweiz, nur haben dieselben früher damit begonnen und es sind auch wesentlich mehr Leute die diese Sprache sprechen. Wir wünschen dem Volk der «Ksan», dass sie für die Zukunft noch vieles erhalten und retten können.

Old Hazelton – Frazer Lake (Kanada)
Heute ist Kanada Day und in New Hazelton gibt es Pan Cake, Bacon, Sausages, Coffee and Soda for free. Alle sitzen zusammen, plaudern, spielen und als es soweit ist, stehen alle an der Quartierstrasse Spalier für den Umzug. Angeführt von den berühmten «Mounties», passieren uns eine gemischte Gruppe der «Ksan», der Raddampfer von Old Hazelton, dem Feuerwehrauto von New Hazelton, der Sanität, dem Wagen des örtlichen Fitnesscenters, einem dreirädrigen Funmobil und anderen Teilnehmern.


Offensichtlich haben alle Rabatt beim lokalen Zahnarzt, denn es werden Unmengen von Bonbons verteilt und in die Menge geworfen. Alle haben Spass und auch die anschliessende Tanz- und Gesangsdarbietung der «First Nation» wird mit Applaus honoriert – gut gemacht und danke!
Nun ist es Zeit für uns, aufzubrechen. Wir fahren weiter auf dem «Highway der Tränen» wie der Yelowhead Highway auch noch genannt wird. Trotz der Warnungen machen hier viele Autostopp und verschwinden dann spurlos. Die Steckbriefe der Vermissten findet man deshalb auch überall – traurige Geschichten.
Nach den relativ ruhigen Strassen von Alaska, wo wir zum Teil fast alleine unterwegs waren, ist hier viel zu viel Betrieb. Die Strasse ist relativ schmal, hat viele unübersichtliche Kurven, Kuppen und einen viel zu schmalen Pannenstreifen. Dies verunmöglicht in vielen Fällen das Überholen. So bilden sich hinter unserem «Kleinen Blauen» immer wieder kleinere Fahrzeugansammlungen. Ich fahre deshalb an Ausweichstellen, bei Aussichtspunkten oder auch auf einem etwas breiteren Pannenstreifen, immer mal raus und lasse den Verkehr passieren – mühsam!
Auch Plätze zum Übernachten sind hier rar. Die Staatlichen Campgrounds sind nicht mehr so schön gelegen, teilweise schlecht gepflegt und mit 18.- bis 25.- Dollar ohne Anschlüsse viel zu teuer (12.- Dollar in Yukon). Die privaten Campgrounds sind noch viel teurer und teilweise noch schlechter gepflegt – super!
Wir fahren bis Frazer Lake und finden zu unserer Überraschung, direkt am See einen neuen Park, Spiel- und Campingplatz und … alles kostenlos. Die Toiletten sind modern, keine «Plumsklos» wie sonst üblich und sehr sauber – Glück gehabt.

Frazer Lake – Quesnel (Kanada)
Am nächsten Tag geht es weiter via Prince Georg, Richtung Vancouver. Die Gegend gleicht zunehmend der Schweiz. Grüne Wiesen, Kühe die weiden, eine lockere Anordnung von Höfen, Hütten und …. Autofriedhöfen, gehört offensichtlich einfach dazu. In Quesnel machen wir Zwischenstopp bei einem Motel und RV Campground, direkt neben der Brücke, sodass wir zu Fuss in die Stadt spazieren können. Wir haben schliesslich zu feiern.
Der Inder am Empfang ist köstlich. Er fragt ob wir «Full Hook Up» wollen und als wir sagen ein Trockener Platz (ohne Strom, Wasser und Abwasseranschluss) reicht uns meinte er nur. Wir haben überall «Full Hook Up» aber ihr könnt einen Platz haben, ich mache einen Discount, sind 15.- Dollar pro Nacht ok? Selbstverständlich haben wir ihm nicht widersprochen. Wir fahren in den Hinterhof wo ein paar «kurlige» Gestalten, in einem durchgesessenen Sofa rumhängen. Der Inder meint nur: «Vor denen müsst ihr keine Angst haben, die wohnen nur hier, lasst euch nicht stören. » Während wir parkieren, öffnet er die Duschen. Erika macht eine erste Besichtigungstour und kommt leicht geschockt retour. Sie meint nur: «Ein leichter Vorgeschmack auf Südamerika, irgendwann müssen wir uns ja mal daran gewöhnen. » - das ist die richtige Einstellung. Ich bin froh sieht sie das momentan so locker und denke, es wird sich vielleicht noch mal ändern.
An diesem Abend wurden jedoch die Damenwaschräume nochmals gereinigt, so konnte Erika den vollen Service geniessen. Das Wasser lief super und war heiss, was will Frau noch mehr. Die Männer haben sie an diesem Abend vergessen – ok, auch ich gewöhne mich an Südamerika.
Heute gehen wir auswärts essen, schliesslich feiern wir unseren 28. Hochzeitstag und den runden Geburtstag von Theo wollen wir ebenfalls verschwelgen – Prosit Theo! Wären gerne dabei gewesen.
Beim Griechen im Städtchen finden wir eine gemütliche Ecke, gutes Essen und einen erstklassigen Metaxa. So viel Essen sind wir uns jedoch nicht mehr gewohnt. Zufrieden, gut genährt und müde kriechen wir an diesem Abend in die Schlafsäcke.

Quesnel – 100 Mile House (Kanada)
Wir schlafen gut und nach einer langen Nacht, gehen wir wieder auf die Piste. Es ist schwierig, auf dieser Strecke, einen geeigneten Platz zu finden. Nach einer längeren Fahrt machen wir einen Kaffeehalt beim «108 Mile House», einer historischen Stätte. Hier stehen verschiedene Häuser aus der Pionierzeit. Ein altes Ranchhouse (Wohnhaus der Ranchbesitzer), ein Bunkhouse (Unterkunft der Cowboys), ein Store (Laden und Telegrafiehaus), eine Trapperhütte und vieles mehr.













Während Erika fotografiert will ich Kaffee holen und komme mit zwei Einheimischen ins Gespräch. Ihnen gefällt unser WOMO, mich interessiert wie das Leben hier ist. Und schon geht das Ping Pong der Fragen und Antworten hin und her. Solche Gespräche machen immer viel Spass, sind sehr informativ und in der Regel kostenlos (ein angenehmer Nebeneffekt für arme Reisende). Die Beiden sind sehr engagiert, er arbeitet zurzeit in der Gegend und sie zeigt im dieselbe. So erfahren wir von einem schönen und günstigen Park und Campground im nächsten Dorf. Sie geben uns eine mündliche Wegbeschreibung. Den besuchen wir, mal sehen ob wir ihn finden.
Wir verabschieden uns holen endlich Kaffee und machen noch einen Rundgang bei den Häusern. Als wir weiterfahren wollen, spricht uns der Mann im Nachbarwagen an und fragt ob wir aus der Schweiz seien. Und schon sind wir wieder in ein Gespräch verwickelt. Als wir erzählen, dass wir nach Vancouver wollen werden wir mit guten Ideen und möglichen Routen eingedeckt. Schlussendlich macht die ganze Familie mit.  So erfahren wir, dass hier viele Schweizer leben und sie selbst in der Schweiz waren, jetzt vom Rodeo aus Williams Lake zurückkommen und noch Essen gehen. Aber anschliessend könnten wir auch bei Ihnen übernachten, es sei allerdings nicht ganz auf unserer Route – kommt uns heute gelegen.
Als der Redeschwall langsam nachlässt, nutzen wir die Gelegenheit und verabschieden uns, wir müssen ja noch unseren Campground suchen.
Tatsächlich finden wir diesen wie beschrieben beim Ort «100 Mile House». Ein kleiner, schöner und kostengünstiger Platz im Wald, direkt neben einem Fluss, der zum Park führt – super Tipp, Danke!

Diese Woche habe ich eine Bloggerkriese und als ich endlich in die Gänge komme, streikt das WiFi - sorry! Verspreche Besserung.


Freitag, 1. Juli 2016

KW 25/16 - Alaska, Kanada Nord

Dawson City – Gravel Lake (Kanada)
Bevor die Reise nach Whitehorse beginnt, machen wir einen Stadtrundgang und spazieren dem «Klondike River» entlang.
Ausserhalb der Stadt, sieht man noch die Gräben, die von der Golddredge in den Boden gefressen wurden. Narben der Goldrushzeiten, die auch in Chicken gut zu sehen waren und die nicht verheilen.
Wir fahren bis zum «Gravel Lake», wo wir auf einem Rastplatz mit Sicht auf den See übernachten. Es sind einige Wasservögel mit diversen Küken zugegen, eine Elchkuh mit Kalb kommt zum Saufen und Fressen an den See. Leider hat es hier wieder die lästigen und hartnäckigen Moskitos, die wir schon auf dem Ma-Tsu River Campground kennen gelernt haben. Sie umschwärmen uns und kriechen durch jede noch so kleine Ritze – übel!
Während ich unser Wohn- zum Schlafzimmer umbaue, will Erika die Zähne putzen. Plötzlich deutet sie auf das Fenster und ruft; «Kamera!». Ich glaub es kaum, zwei Meter neben dem WOMO sitzt ein Luchs und schaut durch die Gegend.

Wir getrauen uns kaum uns zu bewegen. Erika gibt mir ihre Kamera und ich schiesse die ersten Fotos durch die dreckige Scheibe. Der Kerl lässt sich nicht stören. Schlussendlich laufen wir beide im Bus umher, ich hole meine Kamera hervor und jeder sucht sich die beste «Schussposition». Der Luchs schaut uns direkt in die Linse und macht keinen Wank, was für ein Erlebnis. Schlussendlich umrundet er unseren «Kleinen» und springt direkt vor einem LKW über die Strasse – Glück gehabt.
Endlich liegen wir im Bett und nehmen den Kampf gegen die Moskitos wieder auf. Wir haben keine Chance, deshalb hängen wir zum ersten Mal das Moskito Netz auf. Es funktioniert wunderprächtig und so haben wir doch noch eine ruhige und erholsame Nacht.


Gravel Lake – Twin Lake (Kanada)
 Am nächsten Morgen ist nochmals «Luchs Viewing» angesagt. Vor uns überquert er die Strasse, bleibt am Strassenrand sitzen und lässt sich nur kurz ablenken. Erika schiesst ein paar Fotos und als er nicht davonrennt, stell ich den Motor ab, packe die Kamera aus und kann live miterleben wie er einen Hasen jagt und erlegt – starkes Stück.
Unterwegs treffen wir dann auf eine offensichtlich ganz spezielle Sorte der «Arctic Groundsquirls» (wie kleine Erdmännchen), die nur hier vorkommen. Wir nennen sie die «Arctic Stunt Squirls». Während alle anderen davonrennen und in ihren Erdlöchern verschwinden, wenn ein Auto kommt, springen diese todesmutig auf die Fahrbahn, rennen links, rennen rechts, bleiben in der Mitte, Front gegen uns stehen und schauen uns tief in die Augen. Das muss eine Art «Russisch Roulett» sein. Da wir relativ langsam sind, gelingt es jeweils zu bremsen, sodass wir keinen erwischen. Einige dieser Todesmutigen Kerle haben sich jedoch das falsche Auto ausgesucht und kleben nun am Asphalt – Pech gehabt.

Nun fahren wieder eine grössere Strecke, geniessen den Highway und übernachten bei den «Twin Lakes» auf dem Staatlichen Campground. Die Seen sind glasklar und die die Mitternachtssonne zaubert ein Feuerwerk an den Himmel. Um zwölf Uhr Nacht’s machen wir die Fotos und geniessen die Sommer Sonnenwende.


Twin Lake –Whitehorse (Kanada)
Nach einer ruhigen Nacht, ohne Moskitos, fahren wir weiter und machen einen Zwischenstopp bei den «Five Finger Rapids». Dies war früher die Schlüsselstelle für die Flussschiffahrt. Hier mussten die Raddampfer teilweise mit Seilwinden durch die schmale Klippenpassage gezogen werden. Vom hoch gelegenen Parkplatz führt eine steile Treppe und ein schöner Weg durch den Wald, bis auf die Klippen. Wir schaffen es gerade noch zurück, bevor der grosse Regen beginnt. Und weiter geht die Fahrt nach Whitehorse. Dort kaufen wir ein und verbringen den Abend auf dem «Caribu Campground» von Martin Maurer, einem Schweizer Auswanderer. Der RV-Platz ist schon sehr voll, da in Whitehorse die Mietmobile gefasst und zurückgegeben werden. Das WiFi läuft auf dem Platz gut, ist aber auf 50MB beschränkt. So ist kein Skypen oder Bilderupload etc. möglich. 

Whitehorse (Kanada)
Nächster Morgen, Wäsche waschen, mit Martin plaudern. Nachher packen wir und stehen auf dem Vorplatz bereit um uns von Familie Maurer zu verabschieden. Die Kinder schauen noch das WOMO an und würden am liebsten mitfahren. 
Wir machen vor unserem «Kleinen» noch ein Abschiedsfoto, da taucht zum dritten Mal das deutsche Reisepaar, Peter und Karin, dass wir in Homer und Dawson City schon gesehen haben, auf.
Peter meint das nächste Mal kostet es etwas und schon geht die Plauderei weiter. Da sie jedoch bald Abreisen und es schon mitten im Nachmittag ist, setzen wir den Spruch von Peter gleich in die Tat um. Ich fahre unser WOMO zurück in den Wald und wir gehen ins «Wolfs Den», dem Restaurant direkt neben dem Campground, das ebenfalls einer Schweizer Familie gehört.
Es wird ein gemütlicher Nachmittag und ein noch kurzweiliger Abend. Zwischen dem Nachmittagsbier und dem Abendessen, kommen noch Hugo und Ursula aus dem Bernbiet auf einen Apéro vorbei.
Zeitweise geht es fast wie in der «Rush Hour» zu und her, aber es macht Spass. Schön seid ihr vorbeigekommen und haben wir euch kennen gelernt. Wir hoffen ihr seid inzwischen alle heil in Deutschland bzw. der Schweiz angekommen und wieder gut in den Alltag gestartet.

Whitehorse – Carcross (Kanada)
Heute geht’s nach Carcross. Hier wollen wir noch ein wenig Wandern und wenn irgend möglich einen Trip mit der Bahn über den bekannten «White Pass» machen. Leider sind die Verbindungen ab hier, lausig und so schauen wir die Stadt an, geniessen ein Eis bei schönem Wetter und fahren dann zum brandneuen (vor drei Wochen eröffnet) Campground, siebzehn Kilometer ausserhalb der Stadt, Richtung Fraser.

Carcross (Kanada)– Skagway – Juneau (Alaska/USA)
Wir versuchen unser Glück am nächsten Tag in Fraser, gemäss Reiseführer sollte es dort bessere Möglichkeiten geben. Wie wir nach Fraser kommen, stellen wir fest, dass der Bahnhof hinter dem Kanadischen Zollgebäude steht und zugenagelt ist – toll! Da wir nun schon im Niemansland stehen, können wir auch noch den Amerikanischen Zoll passieren und nach Skagway fahren. Vielleicht gibt es hier eine passende Fährverbindung Richtung Süden.
Wie die anderen Städte, die von den grossen Kreuzfahrtschiffen angelaufen werden, ist auch diese, vor allem eine Shopping- und Attraktionenmeile. Solange die Schiffe im Hafen sind haben alle Läden geöffnet und kaum sind sie weg, ist alles geschlossen und die Stadt schläft wieder – für uns nicht wirklich attraktiv.
Wir haben Glück. Am selben Nachmittag geht eine Schnellfähre nach Juneau und in der darauffolgenden Nacht, viertel nach Zwölf, fährt die Anschlussfähre nach «Prince Rupert» , wir buchen.
Wegen schlechtem Wetter hat die Fähre zwei Stunden Verspätung. Erika hat schon Bammel wegen der Überfahrt und dem Seegang. Die Fähre ist Gott sei Dank ein Katamaran und wie wir feststellen können, liegt sie wie ein Brett auf dem Wasser – Glück gehabt. 

Um neun Uhr Abend’s fahren wir in Juneau von der Fähre. Erika sieht einen schwer bepackten Fussgänger mit einer Tasche, auf der ein grosses Schweizer Kreuz prangt. Wir halten und fragen in Schweizerdeutsch ob wir ihn nach Juneau mitnehmen sollen. Die Stadt ist immerhin 14 Meilen, rund 21 Kilometer vom Fährhafen entfernt. Der junge Mann ist hell begeistert, antwortet in Englisch und springt über die Strasse. Gemeinsam fahren wir nach Juneau und erfahren unterwegs, dass er Engländer (hat sich als Schweizer getarnt) ist und hier ein paar Deutsche Reisekollegen trifft. Aber er fuhr von Prince Rupert hoch und so kann er uns ein paar Tipps für unsere Weiterreise geben – auch gut.
Von Juneau aus fahren wir wieder zurück zum Staatlichen Campground um zu übernachten. Die Beschilderung ist lausig und so sprechen wir einen Park Ranger an, der auf Kontrollfahrt ist. Freundlicher Weise fährt er gleich voraus und führt uns zum richtigen Eingang. Leider müssen wir dort feststellen, dass diese Plätze nur telefonisch oder online gebucht und per Kreditkarte bezahlt werden können – so blöd! Fahren wir halt zum Fährhafen zurück, wo ein privater RV-Platz zu finden ist. Auf dem Weg dahin treffen wir auf den «Spruce Meadow RV Park». Das Office hat natürlich geschlossen aber wir können einen Self Check In machen. Ein schöner Platz und alles vorhanden. Nun können wir endlich schlafen.

Juneau (Alaska/USA) – Prince Rupert (Kanada)
Heute machen wir mal einen auf Tourist und gehen Downtown Juneau flanieren. Es sind zurzeit drei grosse Kreuzfahrtschiffe im Hafen. Sie legen teilweise direkt Downtown an, das heisst es liegt eine Stadt neben der Stadt und dementsprechend gross ist der Rummel. Beim Parkieren steht auf einmal eine Frau mit Papagei und Hund hinter dem Fahrzeug und winkt. Es ist Fiona, eine ausgewanderte Engländerin. Sie hat die Schweizer Nummer gesehen und war begeistert. So entwickelt sich ein interessantes Gehsteiggespräch, in dem wir unter anderem erfahren, wie weit die Touristenmeile geht und wo die Einheimische Meile beginnt. Beim anschliessenden Spaziergang sehen wir dann, dass in der Touristenmeile vorwiegend Ausländer (Inder, Chinesen, Europäer etc.) ihre Geschäfte betreiben. Diese werden wie in Skagway, nur während der Anlegezeiten der grossen Schiffe geöffnet. Wir gehen deshalb bei den Einheimischen, die den ganzen Tag präsent sind, ein Bier trinken.
Da wir in «Prince Rupert» wieder die Grenze nach Kanada passieren werden und eigentlich kein frisches Gemüse und Früchte mitnehmen dürfen, essen oder kochen wir was wir noch im Kühlschrank haben und nehmen es als Zwischenverpflegung aufs Schiff. Um Mitternacht heisst es dann; «By, by Juneau!»